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Täter-Opfer-Begegnung

Projekt: Täter – Opfer – Begegnung

Wo stehen wir heute?

Potentielle Gefahren bezüglich ernst zu nehmender Gedanken des Amoklaufes, Lynchjustiz und / oder Suizid gefährden das Wohl der Einzelperson, aber auch die Gesellschaft.

Ein Täter-Opfer-Ausgleich (nach §46 a StGB, 155a,b – geregelt im Verbrechensbekämpfungsgesetz 1994) ist in Fällen einer gewaltsamen Tötung unmöglich, und trotzdem besteht Aufklärungs- und Gesprächsbedarf bei Opferangehörigen, Tätern und Täterangehörigen.

Des Weiteren ist eine umfangreiche Vertrauensbasis zwischen Betroffenen und einer Betroffenen-Hilfs-Organisation beim ANUAS erkennbar. In diesem Bereich ist eine besondere Förderung der Gewalt- und Kriminalprävention gegeben.

  • Konfliktlösungen zwischen
    • Täter / Beschuldigten und Opfer / Geschädigten (Angehörige)
    • Täter / Beschuldigten (Angehörigen) und Opfer / Geschädigten (Angehörige)
  • die Betroffenen zu mehr und mehr Stabilität, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit führen / verhelfen
  • die Täter- und Opferangehörigen und die Täter durch moderierte Gesprächsmöglichkeit entlasten und sich anbahnende weitere Krisen und Belastungen minimieren

Wozu könnte das gut sein?

  • Geschädigte / Opfer
    • können durch außergerichtliche Konfliktschlichtung Ärger loswerden
    • Kosten- und Energieeinsparung für langwierige Gerichtsverfahren
    • Verlauf und Inhalt des Verfahrens kann aktiv mitbestimmt werden
    • Rückgewinnung seines persönlichen Sicherheitsgefühls (z.B. bei ehrlicher Reue – keine Furcht mehr vor dem Täter – Verarbeitung von Ängsten)

  • Beschuldigte / Täter
    • reinen Tisch machen
    • Verantwortung für Straftat übernehmen
    • Wiedergutmachung leisten und ggf. Strafmilderung oder Verfahrenseinstellung erreichen
    • kann mitbestimmen was passiert
    • kann sofort einen konstruktiven Beitrag zur Lösung einbringen

  • Für alle Bürgerinnen und Bürger
    • Vermittlung in Strafsachen bedeutet ein konstruktives Umgehen mit Straftaten und eine gute Ergänzung zur bestehenden Strafrechtspraxis
    • Weitere mögliche Konflikte können entschärft werden.
    • Betroffene mit einbeziehen, um eine bessere, gerechtere und sichere Zukunft zu gestalten, von der alle profitieren.

Restorative Justice-Projekt „Stilles Zuhören“

Die Besonderheit in dieser wichtigen Methode ist, dass in einem weit aufgestellten Stuhlkreis Betroffene und Nichtbetroffene mit einer unabhängigen Person = einem Mediator sitzen.

Der Mediator ist der Gesprächsleiter und bittet die Teilnehmer der Reihe nach zu sprechen, über Emotionen, Gefühle, Tathergang … u.ä.

Im Stuhlkreis sitzen

  • Angehörige von Tötungsfällen
  • Angehörige von Tätern
  • Täter
  • Nichtbetroffene
  • Fachkräfte

Vorteile:

  • Ein gemeinsamer Gesprächs- und Zeitrahmen wird im Vorfeld vereinbart:
  • keiner unterbricht den Anderen und jeder kann ruhig und sachlich sprechen, worüber er sprechen möchte, in Verbindung mit der Straftat, ohne andere zu beleidigen oder zu diskriminieren.
  • Aggression und Gewalt ist tabu
  • Es erfolgen keine Wertungen und keine Ratschläge.
  • Der Mediator kann jederzeit das Gespräch unterbrechen oder beenden
  • Faire und nachhaltige Konfliktbereinigung der Betroffenen selbst und durch professionelle neutrale Person (Mediator – Gesprächsführer)
  • Verständnis füreinander wird aufgebaut
  • Betroffene (Täterangehörige und Opferangehörige) können eine Beziehung aufbauen und sich gegenseitig helfen die Tat zu verarbeiten.

Die Wichtigkeit an dieser Methode ist, dass Täter und Opfer sich akzeptieren, indem sie sich gegenseitig zuhören. Sie lernen, ihre eigene Aggression und Gewalt im Griff zu haben und gegenseitiges Verständnis aufzubringen. Hilft, die Kriminalität zu vermeiden und die Sicherheit in unserer Gesellschaft zu erhöhen.

Toleranter Umgang von Tätern und Opfern ist eine wichtige Form der Resozialisierung beider Parteien. Erfolgversprechend ist eine mögliche Bewusstseinsänderung, sowie eine Verhaltensänderung aller Beteiligten.

Ist ein Täter-Opfer-Ausgleich in Mordfällen möglich?

Das Konfliktpotential bei betroffenen Menschen nach einer tödlich ausgehenden Gewalttat ist vielfältig und scheinbar unlösbar.

Ein "klassischer" Täter-Opfer-Ausgleich oder eine "klassische" Mediation in Fällen gewaltsamer Tötung sind nicht möglich.

Der Einsatz dieser "klassischen" Verfahren bei gewaltsamer Tötung ist eher kontraproduktiv und schädlich für alle Beteiligten. In Fällen von Schwerstgewalttaten, wie bei der gewaltsamen Tötung empfiehlt der BV ANUAS e. V. neue Richtlinien zur Umsetzung möglicher Täter-Opfer-Begegnungen bzw. Mediationsgesprächen zu erarbeiten.

Die Grundlagen der "klassischen" Mediation können nicht garantiert bzw. eingehalten werden.

Bereits beim sogenannten sicheren Rahmen ergeben sich die ersten scheinbar unlösbaren Probleme:

  • Ausreden lassen

Diese Bedingung kann nicht erfüllt werden. In Form einer klassischen Mediation oder eines Täter-Opfer-Ausgleiches werden Angehörige eines Mordfalles das Recht für sich beanspruchen, zu machen, was sie wollen. Was haben sie zu verlieren, sie haben schon das Schlimmste erlebt. Sie befinden sich in einer Ausnahmesituation, aus der – ja nach Zeitablauf – sich Desinteresse und Missachtung für das Schicksal des Täters entwickelt.

  • Zuhören

Geht nicht! Auch kurzzeitige Versuche, zuzuhören, eskalieren nach ersten Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsversuchen.

  • Vertraulichkeit

Das Vertrauen bei den Angehörigen gewaltsamer Tötung ist zerstört. Sie vertrauen weder dem Täter, noch anderen Nichtbetroffenen. Vertrauen ist nur möglich zu Gleichbetroffenen, die sich in die Situation und Lage versetzen können. Hier fühlen sie sich verstanden.

  • 100% Selbstverantwortlichkeit

Seit der grausamen Tat sind die Betroffenen auf sich selbst gestellt. Keiner nimmt ihnen irgendetwas ab, schon gar keine Verantwortung für ein Tun, Reden und Handeln. Diese Betroffenen haben eine Selbstverantwortlichkeit entwickelt, die weit über 100% liegt, damit sie überleben.

  • Wertschätzung

Nein, eine Wertschätzung ist nicht mehr möglich. Die Betroffenen erfahren selber keine Wertschätzung und Achtung und erleben viel Leid, Stress und Intoleranz, über Jahre. Sie erleben ein nie enden wollendes Schock-Stress-Trauma.

  • Ich-Botschaften

Ja, die sind gegeben, von Seiten der Angehörigen von Gewalt. Sie wollen sagen, was sie wollen bzw. möchten – die Betroffenen wollen aber nicht hören, was die Täter wollen.

Paul Watzlawick, der Verfechter des Konstruktivismus spricht aus systemisch konstruktivischer Sicht, dass es keine „Probleme an sich“ gäbe. „Probleme“ werden von den Beteiligten konstruiert. Eine Problemdefinition könne das Problem festschreiben, es würde zu einer feststehenden Realität. Man kann eine gewaltsame Tötung nicht ungeschehen machen, aber man kann sich für Fairness einsetzen.

Über viele Jahre und mit Unterstützung einer Hilfsorganisation, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert hat und gleichzeitig durch eigene Betroffenheit geprägt ist, ist es machbar, eine langsame Annäherung zu erzielen.

Eine Täter-Opfer-Begegnung

Die Täter-Opfer-Begegnung befindet sich noch am Anfang und muss behutsam angegangen werden.

Bei der Täter-Opfer-Begegnung wird das Opfer (Angehöriger des Getöteten) durch den BV ANUAS e. V. begleitet und unterstützt.

Im Rahmen der Resozialisierung der Straftäter bieten sich gute Möglichkeiten an, den Opfern bei der Bewältigung ihrer schweren Lebenslagen nach der gewaltsamen Tötung zu helfen.

Definition nach Wikipedia:

„Resozialisierung bedeutet Wiedereingliederung in das soziale Gefüge der Gesellschaft. Sie bezieht sich insbesondere auf die Wiedereingliederung von Straftätern in das gesellschaftliche Leben außerhalb des Gefängnisses und ihre Befähigung zu einem Leben ohne Straftaten. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff mit der Erwartung verwendet, dass Straftäter ihr abweichendes Verhalten ändern und sich an die Ordnungs- und Wertvorstellungen (Normen) der Mehrheitsgesellschaft anpassen sollten. Der Rechtsbegriff Resozialisierung verweist auf die Konzepte der Integration (Soziologie) und der Rehabilitation straffällig gewordener Personen.“

Dabei stehen im Vordergrund:

  • Langsam Vertrauen aufzubauen und eventuell gemeinsame Hilfen und Wege anzustreben, das Furchtbare zu verarbeiten und sich gegenseitig Halt zu geben.
  • Die Gespräche finden auf gleichberechtigter Ebene statt. Die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern ist die Basis, auf der sachliche Probleme gelöst werden. Wenn die Basis gestört ist, gibt es für beide Seiten keine befriedigenden Ergebnisse.

In Mordfällen ist die Beziehung unüberwindbar zerstört. Auf sachlicher Ebene lässt sich keine Probleme lösen. Wie auch? Ein ermordetes Kind z. B. kann nicht wieder lebendig werden, weder durch Gespräche, noch durch Wiedergutmachung. Was soll da wieder gut gemacht werden.

Jedoch wollen Angehörige gewaltsamer Tötung sich mitteilen, wollen gehört und ernst genommen werden.

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